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Brandgänse (Tadorna tadorna) in den Rieselfeldern

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Abb.1: Brandgansfamilie, im Vordergrund das Männchen (Foto: Thomas Kepp)

Die Brandgans ist in den Rieselfeldern besonders leicht zu erkennen. Bei uns ist sie, außer der kleineren und seltenen Kolbenente, der einzige Entenvogel mit leuchtend rotem, wie gelackt wirkendem Schnabel. Sie ist etwas größer als die Stockente und gehört wie z.B. Nilgans und Rostgans zu der Gruppe der Halbgänse, ist also in der wissenschaftlichen Systematik zwischen Gänsen und Enten angesiedelt.

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Abb. 2: Brandgans-Weibchen (Foto: Thomas Kepp)

Im Wasser liegend mit untergetauchtem Kopf (nahrungssuchend) kann man sie auch schon mal mit der etwas kleineren Löffelente verwechseln. Diese hat aber einen deutlich kürzeren Hals eine nicht so runde Kopfform und einen schwarzen löffelartig nach vorne verbreiterten Schnabel. Die Geschlechter der Brandgänse sind von der Balzzeit bis zur Mauser gut zu unterscheiden, da das Männchen zu dieser Zeit einen wulstig vorgewölbten Schnabelansatz am Oberschnabel hat. Das Weibchen hat zudem nicht ganz so kräftige Farben (siehe Abb. 1 u. 6).

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Abb. 3: Brandgänse bei der Nahrungsaufnahme; im Vordergrund deutlich erkennbar das Männchen mit der Wulst am Schnabelansatz

An Nahrung mangelt es ihnen nicht in den Rieselfeldern. In dem nährstoffreichen Wasser tummeln sich viele Schnecken und auch Muscheln sowie Wasserinsekten und Insektenlarven und Wasserpflanzen, die alle auf dem Speiseplan der Brandgänse stehen.

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Abb. 4: Brandgansfamilie bei der Nahrungsaufnahme im seichten Wasser

Der deutsche Name wird mit dem rostfarbenen Bruststreifen oder den schwarzen (verkohlten) Gefiederanteilen in Zusammenhang gebracht (Wember 2005). Leicht zu merken ist aber auch diese „Eselsbrücke“: Feuerroter Schnabel = Brandgans (Abb. 1 und 2).

In den Rieselfeldern ist der Status „Ganzjahresvogel“ und „Brutvogel“ (siehe Abb. 8). Allerdings ist nicht auszuschließen, dass Winterflüchtlinge aus östlich gelegenen Gebieten im Winter dazu stoßen oder auch durchziehende Brandgänse die Tageszählungen zu den Zugzeiten beeinflussen. Auch ein teilweiser Abzug in andere Gebiete zur Überwinterung ist möglich. Auffallend ist aber der plötzliche Abzug in die Mausergebiete im Juli (siehe Abb. 8). Eines der größten Mausergebiete für Brandgänse sind die Sandwatten zwischen der Elbe- und Wesermündung. Über 100.000 Brandgänse kommen hier zusammen um das Gefieder zu wechseln. Betreut durch das Michael-Otto-Institut wurden dort zwischen 2011 und 2014 elf Brandgänse im Rahmen einer Doktorarbeit mit solarbetriebenen GPS-Satellitensendern ausgestattet (https://bergenhusen.nabu.de/forschung/brandgans/index.html). Somit konnte Ihr Aufenthaltsort in engen Zeitabständen ermittelt und dokumentiert werden. Leider sind uns keine Rieselfeld-Besuche der 11 besenderten Brandgänse bekannt.

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Abb. 5: Brandgans-Kindergarten auf einer Insel im Großen Stauteich

Und unter einem weiteren Gesichtspunkt ist die Brandgans ein interessanter Vogel: In ihrem ursprünglichen Brutgebiet nutzt sie als Höhlenbrüter gerne Kaninchen- und Fuchsbauten. Sie ist dann sogar in Bauten anzutreffen, in denen auch der Fuchs seine Jungen großzieht. Der Beutegreifer käme niemals auf die Idee, in oder direkt an seinem Bau zu jagen. Der dabei entstehende Tumult könnte sonst eventuelle Fressfeinde auf die Jungfüchse aufmerksam machen. Es ist also nichts mit „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“, vielmehr herrscht im Fuchsbau der typische „Burgfrieden“. In den Rieselfeldern übrigens brütet die Brandgans in auf den Inseln des großen Stauteichs eingegrabenen Betonröhren.

Übrigens ist die Zahl der Brandgans-Reviere in den Rieselfeldern in diesem Jahrhundert stetig von 3-4 (2000) auf 20 Reviere (2015) gestiegen (siehe Tab. 1).

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Abb. 6: Dösende Paare auf einer Rieselfeld-Sandbank! Brandgans-Pärchen, Lachmöwen-Pärchen, Krickenten-Pärchen und ein Knäkenten-Männchen

Im Monat Februar steigt die Zahl der Brandgänse deutlich an (Abb. 8). In manchen Jahren wurde die maximale Anzahl von Brandgänsen im März gezählt (siehe Abb. 8 u. Tab. 1).

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Abb.7: Lieben beide flaches Wasser: Brandgans und Kampfläufer

 

Tab. 1: Brandganszahlen aus den Rieselfeldern

2000 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Max. Bestand

01. – 06.

35 53 54 63 60 60 70
(07.03.00) (04.03.10) (27.05.11) (09.03.12) (03.04.13) (22.06.14) (09.03.15)
Max. Bestand

07. – 12.

12 48 30 22 48 23 34
(Juli 2000) (06.07.10) (01.07.12) (01.07.12) (18.07.13) (14.07.14) (23.12.15)
Reviere 3-4 8 10 10 13 12-15 20
Überwinterer 2 5-13 10-20 5-43 5-30 20 10-35
Quellen Schielzeth (2001), Anthes u. Schielzeth (2001) Feldmann et al. 2011 Feldmann et al. 2012 Feldmann et al. 2013 Feldmann et al. 2014 Feldmann et al. 2015 Feldmann et al. 2016
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Abb.: 8: Tageszählungen der Brandgänse in den Rieselfeldern (Feldmann et al. 2016)

 

Quellen:

Anthes, Nils (2001): Jahreszeitliches Auftreten ausgewählter Vogelarten in den Rieselfeldern Münster 2000.- in: Jahresber. Biol. Stat. „Rieselfelder Münster“ 4, S. 8 – 32.

Feldmann, B., Klein, A. u. Klein, M. (2011): Phänologie der Vögel in den Rieselfeldern Münster im Jahr 2010.- in: Jahresber. Biol. Stat. „Rieselfelder Münster“ 13, S. 6 – 11.

Feldmann, B., Klein, A. u. Klein, M.  (2012): Jahreszeitliches Auftreten ausgewählter Vogelarten in den Rieselfeldern Münster 2011.- in: Jahresber. Biol. Stat. „Rieselfelder Münster“ 14, S. 7 – 44.

Feldmann, B., Klein, A. u. Klein, M. (2013): Jahreszeitliches Auftreten ausgewählter Vogelarten in den Rieselfeldern Münster 2012.- in: Jahresber. Biol. Stat. „Rieselfelder Münster“ 15, S. 7 – 51.

Feldmann, B., Klein, A. u. Klein, M. (2014): Jahreszeitliches Auftreten ausgewählter Vogelarten in den Rieselfeldern Münster 2013.- in: Jahresber. Biol. Stat. „Rieselfelder Münster“ 16, S. 9 – 48.

Feldmann, B., Klein, A. u. Klein, M. (2015): Jahreszeitliches Auftreten ausgewählter Vogelarten in den Rieselfeldern Münster 2014.- in: Jahresber. Biol. Stat. „Rieselfelder Münster“ 17, S. 9 – 28.

Feldmann, B., Klein, A. u. Klein, M. (2016): Jahreszeitliches Auftreten ausgewählter Vogelarten in den Rieselfeldern Münster 2015.- in: Jahresber. Biol. Stat. „Rieselfelder Münster“ 18, S. 11 – 28.

Schielzeth, H. (2001): Rastvögel in den Rieselfeldern Münster im Jahr 2000 – eine kommentierte Artenliste.- in: Jahresber. Biol. Stat. „Rieselfelder Münster“ 4, S. 32 – 52.

Wember, Viktor (2005): Die Namen der Vögel Europas. AULA-Verlag GmbH, Wiebelsheim.