Naturerlebnisgebiet und Infopfosten

Vom Maisacker zum Naturerlebnisgebiet – unter diesem Motto stand die Rückverwandlung nach 1975 trocken gelegter und anschließend intensiv landwirtschaftlich genutzter ehemaliger Rieselfeldflächen zu einem Feuchtgebiet. Mit Unterstützung des Landes NRW und der EU konnte dieses „Life-Projekt“ von 1997 bis 2000 realisiert werden. Zwei größere Stauflächen bilden zusammen mit Feuchtwiesen, Obstwiesen und Brachen ein abwechslungsreiches Landschaftsbild. Das Gebiet ist prädestiniert für erlebnisreiche Erholung. Hervorragende Beobachtungsmöglichkeiten entlang der ausgewiesenen Wanderwege bieten Einblicke in die artenreiche Vogelwelt, die das neue Gebiet rasch erobert hat.

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Karte des Naturerlebnisgebietes (zum Vergrößern auf das Bild klicken).

 

Die Infopfosten

Die Infopfosten dienen zum einen der Orientierung in den Rieselfeldern und stehen darüber hinaus für gezielte Informationen zur jeweiligen Örtlichkeit.

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Der Rieselfeldhof

Zu der von 1906 bis 1916 errichteten landwirtschaftlichen Hofstelle gehörte immer schon die Bauernkneipe „Heidekrug“. Die Ausstattung des Schankraumes der Gaststätte stammt original aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Die gesamte Hofstelle ist heute denkmalgeschützt. Der ehemalige Pferde- und Kuhstall ist jetzt eine Ausstellung zur Landschaftgeschichte der Rieselfelder. Der frühere Schweinestall dient als Seminargebäude, das auch für Veranstaltungen angemietet werden kann. Die 2014 abgebrannte und 2016 wiedererrichtete Durchfahrtsscheune  dient landwirtschaftlichen Geräten als Unterstellplatz und als Lagerort von Holz für die vielfältigen Arbeiten in den Rieselfeldern. Der Rieselfeldhof bietet auch einigen Künstlern Platz für Ateliers. Die Remise nutzt eine Imkerin zur Honig- und Wachsproduktion.

Hinter dem ehemaligen Schweinestall wurde 2011 im Rahmen des Projektes „Naturerlebnis für Alle“ ein Gewässer mit einer barrierefreien Steganlage angelegt. Gegen ein geringes Entgeld können am Rieselfeldhof auch je ein Rollfiets und ein Rollstuhl ausgeliehen werden.

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Obstbäume in den Rieselfeldern

In den Rieselfeldern sind in den 1990er Jahren mehrere Obstwiesen angelegt worden. Gepflanzt wurden verschiedene „alte“ Obstsorten wie der „Dülmener Rosenapfel“ oder die „Köttelbirne“. Die Obstbaumreihe entlang des Weges zeigt, wie sie aussehen können, wenn sie auch mal alt werden dürfen. Höhlungen in den hochstämmigen Obstbäumen entlang der Wege sind oft das Zuhause von Hornissen und anderen Insekten. Gerade auch in ihrer Zerfallsphase bieten die Stämme einigen Vögeln wie Spechten, Kleibern, Baumläufern und vielen anderen Arten eine reichhaltige Nahrungsquelle.

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Das Rieselwärter-Häuschen

Bis zum Ende der Nutzung als Abwasserkläranlage 1975 standen an mehreren Stellen solche kleinen Unterkünfte für die Rieselwärter. Bis zu 33 Mann sorgten rund um die Uhr in drei Schichten für die Verteilung des aus der Stadt kommenden Abwassers.

Wenn Sie einen Blick in das Häuschen werfen, sehen Sie einen Teil der Ausrüstung, die die Rieselwärter für ihre tägliche Arbeit benötigten. Elektrischen Strom gab es nicht, wohl aber für die kältere Jahreszeit einen kleinen Ofen. Während nachts die Überwachung der Abwasserströme im Vordergrund stand, mussten tagsüber – vor allem im Sommer – die Zuleitungsgräben von Pflanzen freigehalten und kleinere Schäden an Schiebern repariert werden.

Abgesehen vom Handwerkszeug wie Schaufeln und Sensen war für das städtische Tiefbauamt, das für die Rieselfelder zuständig war, die Buchführung über die Berieselung von besonderer Bedeutung. So entstand eine flächendeckende Übersicht über die Intensität der Abwasser-Beschickung.

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Weiden und Beweidung

Auf vier Weiden mit ca. 60 ha Gesamtfläche grasen Rinder. Sie unterstützen den Naturschutz bei der Offenhaltung der Landschaft. Durch Ihren Weidegang vermeiden sie das Aufkommen von Gebüschen und Bäumen.

Nicht nur für viele Wat- und Wasservögel ist eine weitläufig offene Landschaft erforderlich, damit sie das Gebiet anfliegen. Viele Gänse und auch durchziehende Singvögel freuen sich über offene nicht intensiv genutzte Landschaften. Zudem hält der Dung des Weideviehs auch vielfältige Nahrung in Form von Insekten und Würmern bereit.

Ein Tipp: Suchen Sie mit einem Fernglas die Zaunpfähle ab. Sie sind willkommene Ansitze für viele Vögel.

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Der Schilf-Lehrpfad

2011 entstand der barriefreie Schilflehrpfad.

Erst die bessere Wasserqualität des Klarwassers der Kläranlage in den 1980er Jahren gab dem Schilf gegenüber dem nährstoffliebenden Rohrkolben eine Chance in den Rieselfeldern. Es breitet sich seitdem stark aus. Heute zählen die Rieselfelder zu den größten zusammenhängenden Schilf-Gebieten in Nordrhein-Westfalen.

Der Lehrpfad bietet die Möglichkeit, mehr über den einzigartigen Lebensraum „Röhricht“ zu erfahren. Dadurch werden auch die Schutzmaßnahmen im Reservat, wie zum Beispiel die Wegesperrungen, begreifbar.

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Die Nuller-Becken

Aus der alten Zeit, als die Rieselfelder noch eine Anlage zur Landbehandlung von Abwässern waren, stammt die Nummerierung der Rieselfeldparzellen, die bis heute fortgeführt und aktualisiert wurde. Die Flächenbezeichnung hilft bei der Bewirtschaftung der Rieselfeldparzellen.

Am Anfang der Bewässerungsstrecke lagen die „Nuller“-Becken. Sie  waren die Absetzbecken für einen Teil des Roh-Abwassers aus Münsters Innenstadt.

Ein Teil der „Nuller“-Becken wird heute noch vom Klärwerk in Coerde gelegentlich als Schlammdeponie genutzt. Diese Flächen sind eingezäunt, denn es besteht Lebensgefahr durch Einsinken in den etwa zwei Meter tiefen Schlamm.

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Zeugen der historischen Bewässerung

Die Beton-Halbschalen und der Dükerschacht sind nicht nur hier stille Zeugen der historischen Bewässerung.

Dieses offene Bewässerungssystem war sehr pflegeintensiv. Im Dreischicht-Betrieb hielten je Schicht bis zu 11 Rieselwärter die offenen Gerinne frei und sorgten für eine einwandfreie Bewässerung der Feldparzellen.

Nach dem Bau des modernen Klärwerkes in Coerde übernahm 1975 die Biologische Station die Bewässerung. Ab 1978 ersetzte sie mit ehrenamtlichen Einsatz das offene Bewässerungssystem aus Betonhalbschalen, Platten- und Erdgräben durch Rohrleitungen.

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Die ersten Wasserflächen

Direkt neben der Straße erstreckt sich bis zum Dortmund-Ems-Kanal der „Blaue See“. Er entstand durch Sand- und Tonabgrabungen im Zuge des Kanalbaues Ende des 19. Jahrhunderts. Zusammen mit dem etwas südlich im Wald gelegenen „Huronensee“ steht er unter Naturschutz. Der „Huronensee“ war einst ein Heideweiher, der im Zuge des Kanalbaues noch vergrößert wurde. Die Namensgebung der beiden Gewässer ist auf Hermann Löns zurückzuführen. Einst  waren dies freistehende besonnte Gewässer. Die Uferbereiche dürfen zum Schutz der Tiere und Pflanzen nicht begangen werden. Angeln und Baden sind hier ebenso nicht erlaubt.

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Die Heide-Landschaft

Der Wald an der Straße „Coerheide“ umschließt eine künstlich offen gehaltene, mit Heide bewachsene Lichtung. Auf ihr wachsen sowohl die Besenheide als auch die Glockenheide. Sie stellen die Überreste der im 19. Jahrhundert hier noch weit verbreiteten Heide dar.

Der Wald mit den Heide-Resten steht unter Naturschutz und heißt „Gelmerheide“. Die Waldbereiche sind heute zum Beispiel für den Waldkauz, Kleiber und Spechte wertvoller Lebensraum.

Der Schutz der Natur erfordert es, dass diese Wald- und Heidebereiche nicht betreten werden dürfen.

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Münsters einstige Grenze

Im Wald verläuft ein baum-bestandener Wall. Dieser ist Teil einer einstigen Landwehr, die seit dem 14. Jh. für den Schutz Münsters sorgte. Landwehren stellten Hindernisse für Angreifer aber auch eine hoheitliche Eingrenzung dar.

Durchlässe mit Zollstellen und Schlagbäumen (Schranken) gab es im Bereich regionaler Wegeverbindungen. Solche waren „Sandruper Baum“ in Sprakel und „Stadtbäumer“ am Schifffahrter Damm.

Die Pflege der Landwehren wurde von ansässigen Landwirten gewährleistet. Es waren dichte, dornenbewehrte und dadurch undurchdringliche, oft mehrreihige Gebüsche.

Erst nach Aufgabe der Wehrfunktion entwickelten sich durch die Unterlassung der Pflege waldartige Strukturen, die heute noch oft Ausbreitungskorridore für Tier- und Pflanzenarten sind.

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Außenausstellung und Winterschachtelhalm

Hinter dem ehemaligen Schweinestall des Rieselfeldhofes erstrecken sich eine Teichanlage mit Stegen und eine Streuobst-Wiese. Sie werden für diverse Veranstaltungen genutzt.

Einige Lehrtafeln vermitteln Eindrücke vom Leben im Teich und in der Steuobstwiese. Einen Schwerpunkt bilden hier die Libellen. In nur kurzer Zeit hat sich dieses Kleingewässer zu einer Lebensstätte für viele Tiere und Pflanzen entwickelt.

Hier brüteten schon Zwergtaucher, Gänse, Bläss- und Teichrallen. Viele Libellen sind hier auf Nahrungssuche und legen ihre Eier an den Wasserpflanzen ab. Ringelnattern freuen sich hier übr die vielen Wasserfrösche und Erdkröten als Nahrungsgrundlage.

Entlang der Grabenböschung an der Landwehr kann man auch eine seltene Pflanze entdecken – den giftigen Winter-Schachtelhalm (Equisetum hyemale). Er gilt in Nordrhein-Westfalen als stark gefährdet.

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Waldinsel „Kanonenwäldchen“

Das inselartig in der Rinderweide gelegene Waldstück heißt im Volksmund „Kanonenwäldchen“. Der Name weist auf eine frühere Nutzung dieses Bereiches der Rieselfelder hin. Ein Teil der am Kanal gelegenen Flächen gehörte im 19. Jahrhundert zu einem Schießplatz der preußischen Artillerie und Kavallerie. Das Wäldchen steht auf einem künstlichen Hügel.

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Vier- und zweibeinige Weidegänger / Obstbäume in den Rieselfeldern

Die schwarzen und braunen Rinder auf dieser Weide sind Nachfahren aus Rückzüchtungsversuchen zum „Auerochsen“, einer im 17 Jahrhundert ausgerotteten Rinder-Wildform.  Züchter begannen in den 1920er Jahren mit Rückzüchtungen zu den wilden Vorfahren europäischer Hausrinder. Ihr Zuchtziel war der ursprüngliche Auerochse. Die Züchter wussten damals nicht, dass der Auerochse nicht der Vorfahre unserer Hausrinder war und sie somit auf eine vorderasiatische Stammform zurückkreuzten, die mit den Auerochsen nicht nahe verwandt war. Das Ergebnis dieser Zuchtbemühungen sind diese sogenannten „Robustrinder“. Sie sind den Auerochsen durchaus  im Erscheinungsbild recht ähnlich und weisen einige ihrer Merkmale auf. In der Größe, vor allem in der Hochbeinigkeit, unterscheiden sie sich allerdings noch.

Unsere Rinderherde  ist hervorgegangen aus einer Spende  des „Freundes- und Förderkreises Europareservat Rieselfelder Münster” und lebt hier seit 1994. Die Rinder sind sehr robust und grasen ganzjährig auf vier Weiden im Naturerlebnisgebiet, müssen aber im Winter zugefüttert werden. An der Beweidung des feuchten und zum teil nassen Grünlands beteiligen sich auch Gänse.

Entlang des Weges verläuft eine alte Birnbaumallee ,in der auch Hornissen und Steinkäuze Nistplätze und Wohnhölen finden. Ein Marder hat in den Baumhöhlen einen geschützten Futterplatz. Viele Obstbäume wurden schon Anfang des 20. Jahrhunderts entlang der Wirtschaftswege angepflanzt. Die ältesten Birnbäume der Allee sind daher über 100 Jahre alt! In den 1960er Jahren wurden von der Stadt Münster die einzelnen Obstbäume für 5,- DM zum Abernten an interessierte Mitbürger verpachtet.

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Ausblick mit Weitblick

Seit 2005 können Sie die Blicke vom 12 m hohen Aussichtsturm über die Rieselfelder schweifen lassen. Die Rieselfelder reichen so weit, bis eine durchgehende Baumreihe oder zusammenhängende Waldstrukturen den Horizont begrenzen. Der Turm ist an ein vorhandenes kleines Wäldchen angelehnt. Dadurch ist der Blick zum Kanal teilweise verwehrt, aber so wurden die negativen Einflüsse auf die Vogelwelt, die ein alleinstehender Turm im weiten Grünland gehabt hätte, verringert.

Der Turm ist gleichsam beliebt bei Romantikern und Vogelkundlern. Sonnenauf- und Untergänge sind ein Erlebnis genauso wie die Vogelvielfalt auf dem Großen Stauteich. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Lebensräume im und am Wasser bietet der Große Stauteich vielen unterschiedlichen Vogelarten Nahrungsraum und Brutmöglichkeiten.

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Hoch- und Niedrigwasser in den Rieselfeldern

Zwei große Ableiter-Gräben sammelten einst die Dränwässer unter den Rieselfeldparzellen und führten sie zur Münsterschen Aa (als Aa-Ableiter) und zur Ems (als Ems-Ableiter). Im Zuge der Gebietserweiterung des Schutzgebietes und eines damit verbundenen „EU-Life-Projektes“ wurden die Ableiter-Gräben, in denen heute das geklärte Wasser des Hauptklärwerkes fließt, angestaut. Vor Ihnen liegt der Anstau des Ems-Ableiters, der Große Stauteich, der aus Projekt-Tagen auch noch das Kürzel E1 trägt (abgeleitet von Entwicklungszone 1).

Mit den computergesteuerten Stauwehren können je nach Jahreszeit die Wasserstände optimal auf die Bedürfnisse der Vogelarten eingestellt werden. In der kalten Jahreszeit wird der Wasserstand hoch gehalten und zur Zugzeit der Watvögel eher niedrig.  Vor den ersten stärkeren winterlichen Frösten werden die Stauteiche einmal abgelassen, um Wartungsarbeiten an den Stauwehren und auf den Inseln auszuführen.

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Biologische Station Rieselfelder Münster

Das Gebäude der Biologischen Station Rieselfelder Münster wurde 1979/80 errichtet. Die Hauptaufgaben der Biologischen Station sind die Bewässerung der fast 100 Parzellen, verschiedene Arbeiten zur Gebietspflege, die vogelkundliche Beobachtung und die Öffentlichkeitsarbeit. Hier ist auch ein Treffpunkt für viele vogelkundliche Veranstaltungen der Biologischen Station.

In unmittelbarer Nachbarschaft steht die ehemalige Rieselmeisterei. Bis 1975 war das heute unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus (erbaut 1906) Wohnsitz des Rieselmeisters, der bis zum Bau des modernen Klärwerkes für den ordnungsgemäßen Betrieb der Rieselfelder zuständig war. 2013 hat die Stadt Münster das historische  Gebäude an Privat verkauft.

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Mit Gefälle und Druck

Als die Abwassermengen aus der Stadt zu groß wurden, fasste der Rat der Stadt Münster 1967 den Beschluss, im Südteil der damaligen Rieselfelder eine Kläranlage zu bauen, die im September 1975 ihren Betrieb aufnahm. Seit der Zeit erhält auch das Reservat das geklärte Abwasser, dass mit vier Pumpen und drei Hauptrohrleitungen auf die Rieselfeldparzellen verteilt wird.

Die offenen Gräben und Betonhalbschalen wurden in den 80er Jaren durch Rohrleitungen und Pumpen ersetzt. Statt der Rieselwärter sorgen seit 1977 Zivildienstleistende, Teilnehmer am freiwilligen ökologischen Jahr (FÖJ), Bundesfreiwilligendienstler (Bfd) und Mitarbeiter der Biologischen Station für die Verteilung des Wassers.

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Eine Rieselfeld-Fläche

Diese Parzelle (23/5) ist von ihren Ausmaßen eine typische Bewässerungsparzelle aus der Zeit der historischen Rieselfeld-Bewirtschaftung. Sie ist ca. 1 ha groß und somit nur wenig größer als die Spielfl äche eines Fußballplatzes. Bis 1975 sorgten Drainage-Rohre im Boden dafür, dass das versickerte und somit gereingte Abwasser schnell in die großen benachbarten Ableiter-Gräben gelangte.

Heute ist es das Ziel, lange einen flachen Wasserüberstand auf den Flächen zu halten. Daher wurden die Drainagen nach Möglichkeit zerstört. Um die Wasserfläche herum hat sich ein Röhricht-Saum gebildet, der vor allem aus Schilf (Phragmites australis) besteht. An einzelnen Stellen schauen gelegentlich, je nach Bewässerungs-Zustand, einige kleine Schlammflächen aus dem Wasser heraus. Auf diesen kleinen Parzellen sind vor allem Enten, Schwäne, Gänse und Lachmöwen zu entdecken. Gelegentlich steht ein Graureiher im Bereich der etwas tieferen Wasseransammlungen oder Watvögel suchen zu Vogelzug-Zeiten auf den Schlammflächen nach Nahrung.

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Management in den Rieselfeldern

Die Zusammenlegung einiger Parzellen bietet einige Vorteile gegenüber den ursprünglich nur einen Hektar großen Bewässerungsflächen. Aufgrund ihrer Größe und den entsprechenden Gestaltung des Untergrundes ergibt sich hier eine hohe Strukturvielfalt. Neben sehr flachem Wasser und den Schlammbänken gibt es bei einigen Parzellen auch extra tiefe Wasserbereiche von regelmäßig mehr als 50 Zentimetern. Bedingt durch dieses zusätzliche Angebot ist die Artenfülle an Vögeln hier deutlich größer als an den kleinen Flächen.

Für die Arbeit in den Rieselfeldern bietet eine derartige Zusammenlegung ebenfalls Vorteile. Es ist weniger aufwendig, eine große Fläche zu bewässern und zu pflegen als viele kleine. Es muß jedoch darauf geachtet werden, dass die Flächen für die tägliche Vogelzählung weiterhin überschaubar bleiben.

Das Management einer Fläche schließt auch das Zurückdrängen der Verlandungsvegetation ein. Je nach Wuchskraft der Pflanzen und dem Verlauf der Bewässerung müssen alle paar Jahre etliche Parzellen überarbeitet werden. Dann werden die Pflanzen gemulcht oder gemäht und der Boden mit dem Wurzelwerk gefräßt. Direkt im Anschluß an die Bearbeitung wird die Parzelle wieder möglichst hoch angestaut. Bei erfolgreicher erneuter Bewässerung hat man dann einige Jahre Zeit bis zum nächsten Eingriff. So wird garantiert, dass die Vogelwelt ein ausgewogenes Gleichgewicht im Angebot von Wasserflächen, Schlammbänken und Röhrichten vorfindet. Ohne jegliche Pflegemaßnahmen verbuschen die Flächen innerhalb weniger Jahre. Damit wären wertvolle Rast- und Nahrungsplätze durchziehender gefährdeter Wasser- und Watvögel verloren.

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Der erste Ausguck von 1978

Diese 1978 errichtete Beobachtungshütte war die erste ihrer Art im Gebiet. Das Material wurde zum Teil mit Spendengeldern des öffentlichen Stiftischen Gymnasiums Bethel bei Bielefeld bezahlt. Erbaut wurde sie von Mitgliedern der Biologischen Station. 2018 erfolgte mit tatkräftiger Unterstützung zweier ehrenamtlicher Helfer die Kernsanierung der Beobachtungshütte. Vier Bewässerungs-Flächen können von hier aus eingesehen werden. Während der Brutzeit kann der Zugang zu dieser Hütte versperrt sein, wenn besonders empfindliche Arten gerade in der Nähe brüten.

Heute kann man von zehn Hütten aus die vielfältige Vogelwelt der Rieselfelder beobachten. Zudem sorgen ein 12 m hoher Turm [siehe Infopunkt 14] und zwei weitere Aussichtspunkte für zahlreiche Ein-und Ausblicke in den Rieselfeldern. Im Rahmen des Projektes „Naturerlebnis für Alle“ wurden fünf Hütten und ein Aussichtspunkt [bei Infopunkt Nr. 15] barrierefrei umgebaut.

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Weißstörche in den Rieselfeldern

Seit 2002 brüten Weißstörche in den Rieselfeldern. Sie galten in NRW als „vom Aussterben bedroht“. Es fehlte ihnen der Lebensraum – etwa 200 ha große zusammenhängende, möglichst nicht zu intensiv bewirtschaftete Grünland-Bereiche pro Brutpaar und seine bis zu vier Küken. 2014 konnten bereits fünf Brutpaare in den Rieselfeldern gezählt werden. Aufgrund des großen Angebotes an Würmern, Amphibien und Mäusen in den Rieselfeldern und entlang der Münsterschen Aa haben sich 2020 bereits neun Storchenpaare in den Rieselfeldern und zwischen den Rieselfeldern und der Münsterschen Aa niedergelassen.

Größere Storchenansammlungen können beobachtet werden, wenn es Besuch gibt aus dem Allwetterzoo oder wenn durchziehende Störche eine kurze Nahrungsrast in den Rieselfeldern einlegen. Regelmäßig sind mehr als zehn Störche auch in den Wintermonaten hier anwesend.

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Still- und Fließgewässer

Das Stauwehr ist die Grenze zwischen einem Still- und einem Fließgewässer. Der Kleine Stauteich ist einer von zwei Anstaubereichen, die vom Ablauf des Klärwerkes in Coerde gespeist werden. Unterhalb fließt das Wasser zunächst in einem ausgebauten Gerinne.

Während der Zeit der Rieselfeld-Bewirtschaftung war dieser Aa-Ableiter auf seiner ganzen Fließstrecke bis zur Münster´schen Aa ein voll ausgebauter Graben. Anfang 2000 hat die Biologische Station den Teil nördlich der Straße „Coermühle“  wieder zu einem natürlichen Bachlauf rückgebaut. Seitdem haben Stichlinge, Bachschmerle, Hasel, Plötze, Gründling, Koppe und andere Fischarten den Wöstebach, wie der Ableiter in seinem unteren Lauf heißt, wiederentdeckt und besiedelt.