Alle Beiträge von Hans-Uwe Schütz

Viele Insekten, viele Vögel

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Graugänse lieben die Pflanzen im Verlandungsbereich und vor allem frisches Gras im Grünland. Die Rieselfelder weisen etwa 100 ha Grünland auf.

Die Hitliste der häufigsten Vögel in den Rieselfeldern wird derzeit mit über 900 Individuen angführt von der Graugans gefolgt von etwa 800 Schnatterenten und 700 Staren. Mit 290 ist auch die Anzahl der zu beobachtenden Kiebitze bemerkenswert. Sie entspricht in etwa dem Vorjahr zur gleichen Zeit. Im September sollten es jedoch noch mehr werden. Im Vorjahr waren es in der zweiten Septemberhälfte etwa 480 Kiebitze. Vor zehn Jahren (2011) rasteten im September noch mehr als 1300 Kiebitze in den Rieselfeldern. Die Zahlen repräsentieren Maxima der Tageszählungen.  Dies kennzeichnet den bereits bekannten dramatischen Rückgang des Kiebitzes in unserer Kulturlandschaft. Bei den Insekten sieht es ähnlich dramatisch aus, nur dass dies meist aus Unkenntnis über die Artenfülle der Insekten nicht so auffällt.

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Kiebitze lieben die Schlammbänke und schlammigen Uferbereiche. Gerne ruhen sie sich im flachen Wasser stehend aus. Auch die Grünlandbereiche werden gerne angeflogen, sofern das Gras noch nicht zu hochwüchsig ist. Foto: Michaela Stenz.

Wer etwas mehr über Insekten kennen lernen möchte,  ist in den Familien-Naturerlebnisprogrammen mit Dr. Giselheid Reding gut aufgehoben. Am Montag den 9. August stellt die Biologin von 10 Uhr bis 12 Uhr in der Veranstaltung „Ritter in glänzender Rüstung“ Käfer vor. Am Dienstag zur gleichen Zeit richtet sie ihr Augenmerk in dem Programm „Die phantastischen Sinne der Tiere“ auf die Sinneswahrnehmung. Auch dabei werden unter anderem einige Insekten vorgestellt. Das auch im Wasser einige Insekten oder zumindest ihre Larven zu Hause sind, erfährt man am Mittwoch von 10 Uhr bis 12 Uhr in der Kescherveranstaltung „Wassergetier“. Mit etwas Glück geht vielleicht auch ein besonderer „Insektenfreund“ ins Netz – ein Wasserfrosch. Andere Insekten verzehrende Arten können auch am Mittwoch Abend von 21 Uhr bis 23 Uhr gesehen werden. Bei der Führung „Vom Tag zur Nacht“ werden je nach Witterung auch einige Fledermäuse bei der Insektenjagd zu beobachten sein. Und weil die Rieselfelder noch immer sehr insektenreich sind, sollte man bei einem Besuch den Insektenschutz nicht vergessen.

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Auch ein Ritter in glänzender Rüstung – der Blutrote Schnellkäfer. Er ist häufig auf Doldenblütlern wie zum Beispiel Wiesenkerbel, Wiesenbärenklau oder Wilde Möhre vor allem in Gebüsch- oder Waldnähe zu beobachten. Foto: Michaela Stenz.

Eine Anmeldung zu den kostenpflichtigen Angeboten ist bis zum Vortag um 12 Uhr unter der Rufnummer 0251 /161760 erforderlich. Die Anmeldung für die Montags-Führung muss bis Freitag 12 Uhr erfolgen. Alle Programme starten am Rieselfeldhof, Coermühle 100, hinter der Gaststätte „Heidekrug“.

Beginn der Zugsaison und Veranstaltungen

die Hochzeit der Zugsaison sind sicherlich die Monate August und September, aber es gibt auch jetzt bereits Zugbewegungen, die durch das häufigere Auftreten einiger Watvogelarten in den Rieselfeldern zu beobachten sind. So können zum Beispiel regelmäßig etwa zehn Waldwasserläufer im Juli in den Rieselfeldern gezählt werden.

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Ende August gibt es die meisten Waldwasserläufer auf dem „Herbstzug“ in den Rieselfeldern zu sehen. 2020 waren es ca. 20 Waldwasserläufer. Auf dem Frühjahrszug waren es sogar über 30 Waldwasserläufer im April. Die Zahlen zu der Rastbestandserfassung werden in den Jahresberichten der Biologischen Station Rieselfelder Münster veröffentlicht. Foto: Hauke Roy.

Nicht alle werden auf dem Großen Stauteich zu sehen sein, doch ist der Große Stauteich sicherlich die erste Adresse für viele Watvogelarten. Bei milder Witterung ist es möglich, dass auch noch in den Wintermonaten einzelne Waldwasserläufer in den Rieselfeldern zu Gast sind. Auch steigt die Zahl der zu beobachtenden Kiebitze wieder an. Obwohl der Bruterfolg in den Rieselfeldern mit nur einer gesicherten und erfolgreichen Brut für den Kiebitz sehr gering ausfällt, fliegen über 200 Kiebitze vor allem am Großen Stauteich ihre Runden und sammeln Nahrung aus dem Schlamm und von den Uferbänken.

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Der Waldwasserläufer ist von der Schwanz- bis zur Schnabelspitze 21 – 24 cm lang und steht gerne zwischen anderen auf dem Großen Stauteich rastenden Vögeln. Im Hintergrund steht eine Lachmöwe im Flachwasser. Foto: Hauke Roy.

Einige Vogelarten kommen auch erst am Abend eingeflogen, weil für sie der Große Stauteich ein sicherer Schlafplatz ist oder weil das weitläufige Schilf Schutz vor Feinden gewährt. Mit Einbruch der Dämmerung ändert sich die Erlebnisstimmung in den Rieselfeldern auch für die zweibeinigen flügellosen Besucherinnen und Besucher. Es wird leiser und ungewöhnliche Laute sind ab und an zu hören. Besonders gut kann man diese Stimmung bei der Veranstaltung „Vom Tag zur Nacht“ am Donnerstag den 29. Juli von 21 Uhr bis 23 Uhr nachvollziehen. Die Biologin Dr. Giselheid Reding gibt hierzu Familien mit Kindern ab acht Jahren vielfache Informationen zu dem Leben in der Dämmerung. Mit nützlichen Tieren beschäftgt sich Frau Dr. Reding am Freitag, 30. Juli, von 10 Uhr bis 12 Uhr in dem Familienprogramm „Von Bienen und anderem nützlichen Getier“. Die Veranstaltung ist für Kinder ab sechs Jahren geeignet. Bei beiden Veranstaltungen zahlen Erwachsene  sieben Euro und Kinder fünf Euro für die Teilnahme. Am Sonntag den 1. August ab 10 Uhr leitet der Naturführer Udo Wellerdieck eine erlebnisreiche fünf- bis sechsstündige Radwanderung für Jedermann mit dem Titel „Zwei Seiten der Ems“. Die Teilnahmegebühr beträgt zehn Euro pro Person. Startpunkt für alle Veranstaltungen ist der Rieselfeldhof, Coermühle 100, hinter der Gaststätte Heidekrug. Für alle Angebote ist eine Anmeldung bis 12 Uhr am Vortag der Veranstaltung unter der Rufnummer 0251 / 161760 erforderlich. Anmeldeschluß für die Sonntags-Radwanderung ist Freitag 12 Uhr.

Lebensraum Teich erkunden

Über 90 Wasserflächen werden in den Rieselfeldern aktiv mit dem Wasser aus dem Großen Stauteich bewässert. Diese Wasserflächen halten allerlei Leben bereit, das letztendlich auch einen Großteil der Speisekarte der hier brütenden und rastenden Vögel bildet.

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Der Eisvogel – der bunteste heimische Vogel – hat in den Rieselfeldern keine Probleme kleine Fische, wie zum Beispiel hier den Stichling, zu fangen. Das flache Wasser der Rieselfeldparzellen bietet genügend Lebensraum und Nahrung für Stichlinge. Foto: Ralf Worrmann.
An zwei Schaubiotopen kann diese Lebenswelt im Teich unter Anleitung erkundet werden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass viele der Umweltbildungsveranstaltungen der Biologischen Station Rieselfelder Münster an und um diese Schaubiotope stattfinden. In der Ferienzeit gibt es fast jeden Tag eine Naturerlebnis-Veranstaltung.
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Junger Zwergtaucher mit Stichling. Foto: Thomas Sauter.

 

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Auch Frösche fangen ist in den Rieselfeldern keine Kunst aber was dann… Der Graureiher hat sich einen Seefrosch geschnappt. Bis es ihn runtergewürgt hat ist es bei dieser Größe durchaus noch ein wenig Arbeit. Foto: Michaela Stenz.

Am Donnerstag den 15. Juli begleitet von 10 Uhr bis 13 Uhr die Biologin und Naturpädagogin Bea Niederau das Programm „Frosch und Co. und Wasserexperimente“. Die Veranstaltung „Wassergetier“ schließt sich am Freitag den 16. Juli von 15 Uhr bis 17 Uhr unter der Leitung der Biologin Giselheid Reding an. Beide kostenpflichtige Angebote finden am Schaubiotop des Rieselfeldhofes, Coermühle 100, hinter der Gaststätte „Heidekrug“ statt.

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Wat- und Wiesenvögel lieben eher kleinere Tiere als Beute. Hier hat sich eine Uferschnepfe eine Zuckmückenlarve geschnappt. Foto. Michaela Stenz.

Eine Anmeldung ist bis zum Vortag der Veranstaltung um 12 Uhr unter der Rufnummer 0251 / 161760 erforderlich.

An dieser Stelle auch mal ein herzliches „Dankeschön!“ an die Naturfotografinnen und Naturfotografen, die uns immer wieder tolle Motive zur Verfügung stellen. Wir veröffentlichen nur Fotos von Fotografinnen und Fotografen, die sich korrekt verhalten und den Abstand zu den Tieren nur mit großen Brennweiten oder manchmal einem Makroobjektiv überbrücken und auf den Wegen bzw. in den Hütten bleiben.

Erste Erfahrungen mit der Straßensperrung

und ein Hinweis auf eine fledermauskundliche Führung
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aber ungehinderter Flugverkehr: Über dem hochstehenden Gras der Rieselfeld-Wiesen fliegen die Lachmöwen Parcour um Insekten zu jagen, ähnlich den Schwalben, die in diesem Jahr leider nur in geringer Zahl zu sehen sind.

Die Straße „Coermühle“ ist nun schon seit einigen Wochen gesperrt und es gibt erste Erfahrungen bezüglich der Sperrung des 800 m langen Teilstückes der Rieselfeld-Starße. Besucherinen und Besucher, ob regelmäßig oder erstmalig in den Rieselfeldern unterwegs, reagieren positiv auf die Sperrung und freuen sich auch über die gefahrenfreie Nutzung der Straße. Sogar Veranstaltungsteilnehmerinnen und Veranstaltungsteilnehmer einer Kescheraktion am Rieselfeldhof, die aus Greven kommend einen Umweg in Kauf nehmen mußten, zeigten sich verständnisvoll  und befürworteten sogar die Sperrung der Straße im europäischen Vogeschutzgebiet. Sicherlich wird es auch andere Meinungen geben, wie manch lebhafte Diskussion bereits zeigte, aber die Mehrzahl der Rückmeldungen, die die Biologische Station Rieselfelder Münster bisher erhalten hat, äußerten sich positiv zur Sperrung.

Die direkten Anlieger der Coermühle haben durch die Sperrung größere Einschränkungen erfahren. Dafür gibt es nun auch Ausnahmegenehmigungen zur Befahrung des Teilstückes, die nachvollziehbar und selbstverständlich sind. Deswegen auch unser Hinweis an alle Besucherinnen und Besucher, dass es trotz der Sperrung neben dem landwirtschaftlichen Verkehr noch berechtigte Personen zur Befahrung der Coermühle gibt. Es müssen Kinder zur Kita nach Gelmer gebracht und abgeholt werden, es sind auch Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr in Gelmer, die auf direktem Weg zur Wache gelangen müssen und andere Einzelfälle, die ansonsten unverhältnismäßige Härten in Kauf nehmen müßten. Deswegen auch unser dringender Appell diesen berechtigten Nutzerinnen und Nutzern der Straße nicht feindselig sondern verständnisvoll zu begegnen.

„Schwarze Schafe“, die diese Situation auch für sich ausnutzen wird es sicherlich auch immer geben. Damit diese weniger werden, führt die Polizei in unregelmäßigen Abständen immer wieder Kontrollen durch.  Die Sperrung hat die Verkehrssituation an der Coermühle jetzt schon deutlich beruhigt. Es sind nur noch wenige Kraftfahrzeuge auf der Coermühle unterwegs.

Die beste Alternative ist, die Rieselfelder mit dem Fahrrad zu erkunden oder zu durchfahren , da die Sperrung nur für Kraftfahrzeuge gilt. Ebenso keine Probleme haben die geflügelten Bewoher der Rieselfelder. Neben den Vögeln sind dies auch die Fledermäuse, die ebenso den Insektenreichtum der Rieselfelder zu schätzen wissen. Mehr über diese nächtlichen Jäger der Lüfte erfährt man im Rahmen der kostenpflichtigen  Veranstaltung für Familien mit Kindern ab acht Jahren „Auf Schwingen ohne Federn“ unter der Leitung der Biologin Dr. Giselheid Reding am Sonntag den 20. Juni von 21:30 Uhr bis 23:30 Uhr. Eine Anmeldung ist bis Freitag 18. Juni 16 Uhr unter der Rufnummer 0251 / 161760 erforderlich. Treffpunkt ist am Seminargebäude des Rieselfeldhofes, Coermühle 100, hinter der Gaststätte „Heidekrug“. Es wird darauf hingewiesen, dass die Anfahrt aufgrund der Sperrung von Süden nur über die Kanalstraße oder die Grevener Straße und die Straße „Zum Rieselfeld“ erfolgen kann.

Es ist soweit: die Straße „Coermühle“ ist auf einem Teilstück gesperrt

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Links:  Vorankündigung der Sperrung mit dem Hinweis zur ungehinderten Zufahrt zur Biologischen Station. Dieses Schild ist trotz der falschen Rechtschreibung gültig. Rechts: Sperrung ab der Biologischen Station Rieselfelder Münster.

Seit Montag, 26.04.2021,  Vormittag ist das Teilstück der Straße „Coermühle“ zwischen der Einfahrt zur  Biologischen Station Rieselfelder Münster und der Straße „Wöstebach“ für den motorisierten Kraftverkehr voll gesperrt. Nur land- und forstwirtschaftlicher Verkehr ist hier erlaubt. Für einzelne Anlieger der Coermühle in unmittelbarer Nachbarschaft der Sperrung wird es in begründeten Fällen Ausnahmegenehmigungen geben.

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Immernoch Verkehr trotz eindeutiger Sperrung. Mit der Zeit wird man sich an die Sperrung gewöhnen müssen, da Kontrollen teuer werden können.

Am ersten Tag der Sperrung werden viele noch nicht auf die aufgestellten Zeichen geachtet haben, denn der Verkehr war zwar deutlich reduziert, aber immer noch beachtlich. Es besteht aber die Hoffnung, dass eine Gewöhnung an diesen Zustand eintritt und zusätzliche Kontrollen helfen, die Coermühle zu beruhigen.

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Erster Tag nach der Sperrung, erste Kontrollen. Dabei wurden auf dem Hessenweg und der Coermühle auch gleich ein paar Temposünder erwischt.

Auch einige treue motorisierte Rieselfeldbesucher*innen müssen sich jetzt umgewöhnen, da sie nunmehr nur noch zu den Parkplätzen am Heidekrug und zur Station fahren können und das aus unterschiedlichen Anfahrtsrichtungen.

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Anfahrtsskizze für die Biologische Station Rieselfelder Münster und den Rieselfeldhof mit der Gaststätte „Heidekrug“ und der Dauerausstellung zur Landschaftsgeschichte der Rieselfelder.

Der Rieselfeldhof mit der Gasstätte „Heidekrug“ und der Dauerausstellung zur Landschaftsgeschichte sowie dem Seminarzentrum ist über die Kanalstraße und Grevenerstrasse zu erreichen. Für die Biologische Station Rieselfelder Münster wählt man am besten Anfahrtsrouten über die Grevener Strasse oder den Schifffahrter Damm (siehe obige Skizze). Eine direkte Verbindung zwischen der Biologischen Station und dem Rieselfeldhof gibt es für den motorisierten Kraftverkehr nicht mehr.

Für Radfahrer*innen gibt es keinerlei Einschränkungen, für sie ist die Coermühle weiterhin und nun auch risikofreier durchgängig befahrbar.

 

Pressemitteilung der Stadt Münster zur Straßensperrung Coermühle:

Coermühle: Durchfahrt ab Montag gesperrt

Münster (SMS) Wie vom Rat der Stadt beschlossen, wird am kommenden Montag, 26. April, die Straße Coermühle zwischen der Einmündung Wöstebach und der Zufahrt zur Biologischen Station für den Durchgangsverkehr gesperrt. Die entsprechenden Hinweisschilder werden im Laufe des Montags aufgebaut. Für den land- und forstwirtschaftlichen Verkehr bleibt die Durchfahrt frei. Anfang Mai ist zudem eine digitale Bürgerinformation zur neuen Verkehrsregelung „Rieselfelder“ vorgesehen. Nähere Informationen finden Interessierte in Kürze auf der Homepage des Ordnungsamtes der Stadt Münster unter dem Stichwort „Rieselfelder“: www.stadt-muenster.de/ordnungsamt  (02 51  – 4 92-32 83).

Coermühle wird in Kürze zum Teil gesperrt

Nach dem Ratsbeschluss vom 18. März wird ein Abschnitt der Coermühle (siehe Karte) in Kürze für den Kraftverkehr gesperrt. Fahrradfahrer und Fußgänger haben dadurch keine Einschränkungen zu befürchten – im Gegenteil. Von hier aus können in Zukunft gefahrloser die angrenzenden Flächen eingesehen werden.

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Aktualisierte Gebietskarte des Naturerlebnisgebietes mit dem gesperrten Abschnitt der Coermühle.

Es wird, so angekündigt, jedoch Ausnahmen geben. Berechtigte Anwohner sowie landwirtschaftlicher Verkehr und Verkehr für die Gebietsbetreuung bleiben von diesem Verbot ausgenommen.

Die Zufahrt zur Biologischen Station Rieselfelder Münster ist dann nur noch aus Richtung Norden (Gimbte, Gittrup, Hessenwegbrücke) möglich. Besucher des Rieselfeldhofes und der Gaststätte „Heidekrug“ können dann nur noch von Süden aus anfahren. Die Anfahrt zu einem kleinen Parkplatz an der Straße „Wöstebach“ (bei Punkt 21) ist weiterhin noch möglich. Weiter in die Straße „Wöstebach“ darf man jedoch nicht hineinfahern, da hier bereits eine Sperrung mit der Einschränkung „Anlieger frei“ besteht.

Die Biologische Station Rieselfelder Münster bedankt sich für den engagierten Einsatz der „Bürgerinitiative zum Schutz der Rieselfelder – Ruhe im Schilf“, die diese Wende in der Münsteraner Verkehrspolitik angetrieben hat. Der Dank gilt auch den Ratsmitgliedern von Bündnis 90 Die Grünen, SPD und VOLT, die für eine Sperrung gestimmt haben.

In Erwartung der ersten Uferschnepfe

Gerade im Zuge der vergangenen warmen Tage mit südlichen Winden sind schon einige Zugvögel wieder zu ihren Brutgebieten in Nordwestdeutschland aufgebrochen. Für einige besenderte Uferschnepfen gibt es die Möglichkeit zu sehen, wo sie sich gerade aufhalten, sofern sie nicht gerade in einem „Funkloch“ sitzen.

Im Anflug - die erste Uferschnepfe in 2021. Foto: Thomas Sauter.
Im Anflug – die erste Uferschnepfe. Das Bild stammt allerdings aus dem Jahr 2020. Foto: Thomas Sauter.

So rasteten einige Uferschnepfen auf ihrem Weg von Westafrika vor den warmen Tagen bei uns bereits in Portugal. Die Südwinde der vergangenen Woche haben bereits einige Uferschnepfen genutzt und es gibt erste Signale von Uferschnepfen in den Niederlanden.

Einsehen kann man diese Wanderbewegungen auf den Zugrouten der Uferschnepfen unter dem Link

https://www.globalflywaynetwork.org/flyway/east-atlantic-flyway-inland-waders/map   .

Bisher wurde aber keine Uferschnepfe in den Rieselfeldern gesichtet.

Der Link wird von einer Forschergruppe der Universität Groningen und verschiedenen angegliederten Projektträgern unterhalten und zeigt die Ost-Atlantik Zugroute der Binnenland-Watvögel mit der Uferschnepfe als Beispiel-Vogelart.

Eine besenderte Uferschnepfe, die bereits in den vergangenen Jahren auch in den Rieselfeldern rastete ist „Madame Kipp“. Wir erwarten sie täglich. Im vergangenen Jahr war die Erstankunft der Uferschnepfen in den Rieselfeldern der 28.02.2020.

Auch wenn die Uferschnepfen nicht bei uns brüten, so wissen sie, dass sie hier in möglichst kurzer Zeit viel Nahrung aufnehmen können, um sich von den Strapazen der langen Flugstrecke zu erholen.

Von hier aus geht es dann in nahe und weiter nördlich gelegene Brutgebiete wie zum Beispiel Feuchtwiesenschutzgebiet Greven/Saerbeck, Düsterdieker Niederung und Ochsenmoor (Diepholzer Moorniederung).

Rohrdommel im Glück

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Die Rohrdommel ist gelegentlich auch im Flug zu sehen, wenn sie ihre Nahrungsplätze wechselt. Meist stakst sie durch das Schilf oder schleicht am Schilfrand entlang, um meist kleine Fische zu fangen. Foto: Lutz Werner Groß.

Am Dienstag den 16. Februar Vormittag wurde an der Biologischen Station Rieselfelder Münster von einem aufmerksamen Bürger eine Rohrdommel (Botaurus stellaris) abgegeben. Die erwachsene Rohrdommel lag auf einer Straße nahe dem Messingweg unweit der Rieselfelder außerhalb ihres Nahrungsbiotopes. Bisher gab es fast tägliche Sichtungen der Rohrdommel in den Rieselfeldern, seit Samstag 13. Februar wurde sie auch vom Vogelzähler nicht mehr entdeckt. Es ist davon auszugehen, dass die Rohrdommel am Freitag oder Samstag durch den äußerst regen Schlittschuh-Verkehr aus den Rieselfeldern vertrieben wurde. Rohrdommeln sind sehr störungsanfällig und haben Nahrungsreviere von 30 ha bis 50 ha Größe. In den Rieselfeldern gab es im Schilf und in schilfumstandenen (geschützten) Gräben trotz der kalten Tage immer noch kleine offene Bereiche, die der Rohrdommel zur Nahrungsaufnahme dienten. Außerhalb der Rieselfelder gab es kaum so etwas.

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Auf der Suche nach offenen Bereichen am Schilfrand. Nahrungssuche im Winter ist mühsam und die Rohrdommel muss genügsam sein, um den Winter zu überstehen. Zusätzliche Störungen bedeuten immer Energieverlust, der im Winter nur schwer wieder auszugleichen ist. Foto: Norbert Wünnemann.

Die letzte nachgewiesene Brut der Rohrdommel gab es nach Informationen des Landesamtes für Natur (Internetseite) im Jahr 1992 im Kreis Kleve. Somit gilt die Rohrdommel als Brutvogel in Nordrhein-Westfalen (NRW) als ausgestorben (Kategorie 1), als zum Teil ziehende Vogelart ist sie der Kategorie 2 – vom Aussterben bedroht –  zugewiesen. Auch bundesweit gilt die Rohrdommel als „stark gefährdet“. 2019 wurden vom Dachverband Deutscher Avifaunisten der Gesamtbestand  in Deutschland mit 800 bis 850 Reviere angegeben [Gerlach, B. et al. (2019):  Vögel in Deutschland. Übersichten zur Bestandssituation. DDA, BfN,LAG,VSW, Münster; S. 31]. Bemühungen zum Schutz der Schilf-Röhrichte in Schutzgebieten am unteren Niederrhein und in Ostwestfalen im Bereich Rietberger Emsniederung und Steinhorster Becken und nicht zulezt in den Rieselfeldern lassen hoffen, dass es eines Tages wieder Brutnachweise in Nordrhein-Westfalen geben wird. In 2017 und 2018 gab es jeweils einen Brutverdacht der Großen Rohrdommel in den Rieselfeldern – ein bemerkenswerter Umstand. In den übrigen Jahren war sie als regelmäßiger Wintergast in den Rieselfeldern anzutreffen – meist jedoch auch nur mit einem Exemplar. Außerhalb von Schutzgebieten sucht man entsprechenden Lebensraum vergeblich.

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Fast Pfahlstellung – gut getarnt. So steht die Rphrdommel im Schilf, wenn sie etwas stört. Nur duch den etwas abgewinkelte Schnabel ist sie gut erkennbar. Betrachtet man nur das Gefieder von Hals und Körper, so verschwindet sie fast ganz im Schilf. Foto: Lutz Werner Groß.

Die Schlittschuhtage sind zwar nicht jedes Jahr wiederkehrend, stellen aber zunehmend einen erheblichen Eingriff dar. Es hat sich in den letzten Jahrzehnten mit der Ausbreitung des Schilfes die Zusammensetzung der Lebensräume und ihrer Bewohner in den Rieselfeldern geändert. Mit dem Schilf kamen schilfliebende zumeist bedrohte Vogelarten wie Rohrammern, Bartmeise und Zwerg- und Große Rohrdommel hinzu, die in anderen Bereichen unserer Kulturlandschaft bereits allmählich verschwunden oder zumindest stark dezimiert sind.

Früher stellte das Eislaufen einen weitaus geringeren Eingriff dar, da die Rieselfelder noch nicht Heimstätte dieser bedrohten Vogelarten waren und weil auch viel weniger Schlittschuhlaufende den weiten Weg in die Rieselfelder fanden. Jetzt in dieser hochmotorisierten Bequem-Zeit parkt man vor der Eisfläche ohne weitere Fußwege in Kauf zu nehmen. Außerdem gab es früher zu den Rieselfeldern noch zumindest eine Alternative: die Eissporthalle. Da auch jedes Mal mehr Menschen kommen, dringen auch immer mehr bis in die letzten Winkel des Schutzgebietes vor – trotz gesperrter Wege.

Aus Sicht der Biologischen Station ist es zwar nachvollziehbar, warum so viele Menschen zum Eislaufen kommen wollen, aber es stimmt auch traurig und macht wütend, dass somit der Schutz wirklich bedrohter Arten sogar in einem Vogelschutzgebiet europäischen Ranges nicht mehr gewährleistet werden kann. Und das, obwohl zuvor in der Presse und im Fernsehen sowie auch im Internet auf die Schutzumstände hingewiesen und sogar erwähnt wurde, dass es ein (seit 1998) gesetzlich festgeschriebenes ganzjähriges Betretungsverbot der Flächen im Naturschutzgebiet gibt.

Es müssen in Zukunft in der Winterzeit entsprechende Alternativ-Angebote in der Stadt / den Stadtteilen geschaffen werden und die Ordnungsbehörden müssen den gesetzlich festgeschriebenen Schutz auch wirklich umsetzen.

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Die Pfahlstellung funktioniert auch bei dem Haselnussstrauch im Innenhof der Station – wenn auch nicht so gut. Bemerkenswert: obwohl der gesamte Kopf nach oben gestreckt ist, kann die Rohrdommel noch nach vorne sehen. Foto: Bildarchiv Biologische Station Rieselfleder.

Die Rohrdommel hat wider Erwarten Glück gehabt. Bei ihrer Ankunft wog sie nur noch 635 g. Normalgewichte liegen zwischen 1000 g und 1900 g. Im Handbuch der Vögel Mitteleuropas werden Überwinterungsgewichte bis 600 g angegeben [Bauer, K.M. u. U. Glutz von Blotzheim (1986): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Bd. 1, S. 377 ff., Aula Verlag).  Sofort nach der Ankunft der Rohrdommel an der Biologischen Station Rieselfelder Münster stellte der Landesfischereiverband dankenswerter Weise Fische zur Verfügung mit denen die Rohrdommel gefüttert werden konnte. Die erste noch kalte Nacht verbrachte die Rohrdommel in der Station. Tagsüber war sie im Innenhof. Am Ende des zweiten Tages war die Rohrdommel wieder kräftig genug, dass sie selbst aus dem Innenhof abfliegen konnte. Einen Tag später am 19.02. 21 wurde sie bereits in ihrem angestammten Bewässerungskomplex entdeckt.

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Wahrscheinlich das erste Bild aus den Rieselfeldern nach ihrem Besuch in der Biologischen Station. Foto: Michaela Stenz.

Die Mitarbeitenden der Biologischen Station bedanken sich bei Herrn Olaf Niepagenkemper vom Landesfischereiverband und der Tierärztin Dr. Birge Herkt (Storchenstation Osnabrück) sowie dem Allwetterzoo in Münster für den Fisch und die wertvollen Tipps zum Umgang mit der Rohrdommel.

P.S. Wenn Sie mal etwas Gutes für den pandemiegestressten Allwetterzoo tun wollen, kaufen Sie jetzt eine Jahreskarte. Ihre Gültigkeit beginnt, sobald der Allwetterzoo wieder geöffnet hat. Sie fördern damit auch Zuchtmaßnahmen bedrohter Tierarten.

 

„Die Rieselfelder als bedeutendes Europareservat müssen engagiert geschützt werden.“

Dies ist kein Ausspruch „spinnerter Naturfreaks“, sondern ein ernst zu nehmender Satz aus dem jüngsten Koalitionsvertrag der Grünen, der SPD und der Volt-Partei in Münsters Stadtrat. Dafür zunächst ein Dankeschön der Biologischen Station Rieselfelder Münster, deren Mitarbeiter*innen darin eine Bestätigung ihrer Arbeit sehen.

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Viele Gänse wechseln zum Teil in niedriger Höhe von der Brüskenheideüber den Dortmund-Ems-Kanal auf den Großen Stauteich, wo sie ruhen und trinken-

Diesem engagierten Satz sollen nun auch Taten folgen. Im Koalitionsvertrag steht nämlich weiter, dass „…wir [die Koalitionspartner*innen im Rat] alle bisher nicht genutzten Windenergie-Eignungsflächen, mit Ausnahme der Umgebung der Rieselfelder, identifizieren und soweit planungsrechtlich möglich für die Errichtung von weiteren Windenergieanlagen vorbereiten.“

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Generell gelten für die Errichtung von Windenergieanlagen Abstände entsprechend den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) von 1200 m im Minimum zum europäischen Vogelschutzgebiet. Für einige Vogelarten werden größere Abstände vorgeschlagen. Die Hauptflugkorridore zu den Nahrungsplätzen sollten generell freigehalten werden. Diese sind hier mit roten Pfeilen gekennzeichnet. [Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW): Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brut­plätzen ausgewählter Vogelarten (Stand April 2015), Berichte zum Vogelschutz, Bd. 51, 2014]
Dies heißt, dass endlich die Bedeutung des Europäischen Vogelschutzgebietes nicht nur von der Lokalpolitik erkannt, sondern auch entsprechend gehandelt werden soll. Dies bestärkt die Biologische Station auch in ihrer Haltung zur geplanten Windkraftnutzung auf dem nahegelegenen Remondis-Werksgelände, welche nun zwangsläufig nicht weiterverfolgt werden kann.

Die Sperrungen der Straße „Coermühle“ und evtl. des Hessenweges (Anlieger und landwirtschaftlicher Verkehr frei), ist ein weiterer Punkt im Koalitionsvertrag, der den Bemühungen der Biologischen Station um mehr Artenschutz entgegenkommt. Konkret benennt die Biologische Station hier die Abschnitte Coermühle zwischen Wöstebach und Biologischer Station sowie den Hessenweg zwischen der Kreuzung mit der Coermühle und dem Ende des Schutzgebietes (Stadtgebiets- und somit Zuständigkeitsgrenze). Wenn es dann noch zu einer deutlichen Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs entlang des Schifffahrter Dammes sowie zur Erreichbarkeit des Südteils der Rieselfelder kommen könnte, wäre das ein sehr gelungenes Gesamtergebnis.