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Schlittschuhlaufen in den Rieselfeldern

Es ist kalt. Für viele bereits zu kalt. Auch viele Vögel haben bereits das Weite gesucht. Doch einige bleiben hier und gerade diese haben es im Moment auch in den Rieselfeldern sehr schwer. Bei gefrorenem Wasser und gefrorenem Boden fehlt ihnen der Zugang zur Nahrung. Das heißt, dass sie wenige Energiereserven haben, die bei einer möglichen Flucht vor Besuchern auch noch unnötig verbraucht werden. Wasserrallen und Teichhühner gehören zu denen, die sich gerne im Schilf am Rande auch der zugefrorenen Flächen verstecken. Bartmeisen suchen noch nach Samen an den Fruchtständen des Altschilfes. Daher besteht die große Sorge der Mitarbeiter der Biologischen Station Rieselfelder Münster, dass die Beunruhigung durch viele Besucher den „Daheimgebliebenen“ sehr zusetzen wird. Dazu gehören auch weitere gefährdete Vogelarten wie die Rohrdommel, die als Wintergast im Schilf der Rieselfelder lebt.

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Die Wasserralle, im Vergleich den anderen Rallen (zu denen auch das Blässhuhn und Teichhuhn zählen) am längeren Schnabel gut zu erkennen. Foto: Alfred Steins.

Der Winterspass sollte nicht ohne Rücksicht auf die Umgebung erfolgen. Das Eislaufen selbst ist eher unproblematisch nur das „Drummherum“ wie das Betreten der Schilfgürtel, Wildparker, Müll und einfach zu viele Menschen für das Naturschutzgebiet machen Probleme.

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Viele Menschen waren im Februar 2012 unterwegs. Es war auch nur ein Wochenende, doch viele Brutplätze waren infolge das ganze Jahr gestört. Das zertrampelte Schilf fehlte vielfach als Sichtschutz oder gar als Brutplatz.

Die Biologische Station weist ausdrücklich darauf hin, dass nach Naturschutzrecht, das Verlassen der Wege in den Rieselfeldern daher verboten ist. Es wird gebeten, die Schilfgürtel nicht zu betreten und sich keine neuen Zuwege zu den Flächen zu suchen. Auch die gesperrten Wege sind natürlich tabu.Einige Tiefwasserflächen sind nur sehr dünn vereist. Dort besteht Einbruchsgefahr. Die Dämme und Ufer der beiden Stauteiche sind ebenfalls nicht zu betreten. Auf den Stauflächen selbst trägt das Eis nicht. Die Stauflächen haben im Tagesverlauf unterschiedliche Stauhöhen. Dadurch gibt es unter dem Eis, dieser nur randlich gefrorenen Wasserflächen, Hohlräume. Die Einbruchsgefahr ist hier besonders groß.

Das Parken entlang der „Coermühle“ und dem „Hessenweg“ ist nach der Straßenverkehrsordnung nicht erlaubt, da es sich um eine Straße außerhalb geschlossener Ortschaften handelt. An der Biologischen Station gibt es Faltblätter mit einer Gebietskarte und eingetragenen Parkplätzen. Die Parkplätze sind am Rieselfeldhof, Coermühle 100 hinter der Gaststätte Heidekrug, an der Biologischen Station, Coermühle 181 und am Anfang der Straße „Wöstebach“. Einen 10Minütigen Fußweg muss man auch in Kauf nehmen – dies ist unbedingt zumutbar.

Die Zuwegungen zu den Fütterungseinrichtungen an den Rinderweiden dürfen auch nicht zugestellt werden, da die Rinder bei diesen Temperaturen zusätzlich gefüttert werden. Ein Tracktor mit Silageballen muss da noch durchpassen. Chaotische Zustände mit zahllosen Wildparkern wie 2012 gilt es zu vermeiden. Damals mußte die Polizei die Straße „Coermühle“ am Nachmittag sperren, zur Einbahnstraße erklären und die wild parkenden Autofahrer einzeln herauslotsen.

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5. Februar 2012 um 12 Uhr – und es kam noch schlimmer.

Die Rieselfelder sind ein europäisches Vogelschutzgebiet, ein Feuchtgebiet internationaler Bedeutung, ein Europareservat und ein Naturerlebnisgebiet für naturbegeisterte Erholungssuchende und kein Massenvergnügungsplatz.

Stauteich wieder angestaut

Es ist kalt und friert. Gut dass die Reparatur am Wehr des Großen Stauteichs soweit vorangebracht wurde, dass er zum vergangenen Wochenende wieder angestaut werden konnte. Das warme Klarwasser aus dem Hauptklärwerk in Coerde sorgt seit Anfang Februar wieder für eisfreie Bereiche auf der größten Wasserfläche der Rieselfelder.

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Sonnenuntergang am Großen Stauteich

Somit steht auf jeden Fall noch offenes Wasser für die hier rastenden Wasservogel-Bestände zur Verfügung.

Großer Stauteich abgelassen

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Das Stauwehr am Großen Stauteich bedarf einer weiteren Reparatur, deshalb ist der Große Stauteich voraussichtlich noch bis Ende kommender Woche abgelassen. Die normaler Weise hier rastenden und Nahrung suchenden Vögel können sich derweil auf die über 90 Bewässerungsflächen im Gebiet verteilen.

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Reparaturen am Stauteich können nur außerhalb von Frostperioden durchgeführt werden, damit die Vögel diese Ausweichmöglichkeit auf andere offene Gewässer haben. Auch sollten die Wartungs- und Reparaturarbeiten außerhalb der Brutsaison erfolgen, damit Fuchs und Marder nicht die Nester auf den Inseln ausrauben können. Über den Wiederanstau wird die Biologische Station auf ihrer Internetseite informieren.

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Blick vom Stauwehr in Richtung zum Aussichtsturm. Im Hintergrund ist die Mülldeponie erkennbar.

Stauteiche wieder angestaut

Der Große und Kleine Stauteich in den Rieselfeldern waren einige Tage für notwendige Pfegearbeiten abgelassen.  Die Mitarbeiter der Biologischen Station nutzten die Zeit, um elf Inseln von Aufwuchs zu befreien. Damit stehen die Inseln auch im kommenden Jahr wieder als geschützte Brutbereiche zur Verfügung. Zudem wurde eine Brutwand für Uferschwalben (links im Bid) wieder hergerichtet, in der Hoffnung, dass sich dort Uferschwalben auch ansiedeln werden.

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Von der Beobachtungshütte am Einlauf des Klarwassers der Kläranlage in den Großen Stauteich kann man nun nach dem Weiden-Schnitt wieder größere Bereiche am Südufer einsehen.

Allerdings muss man bei derartigen Projekten auch „längeren Atem“ beweisen. So stellten Vereinsmitglieder die ersten Storchennisthilfen bereits 1979 in den Rieselfeldern auf. Der erste Brutversuch der Weißstörche konnte jedoch erst 2002 verzeichnet werden, die erste erfolgreiche Brut gelang 2003.

Zudem fielen einige Weidengehölze und Birkenaufwuchs am Südostufer den Motorsägen zum Opfer, damit aus der benachbarten Beobachtungshütte zum einen man die Uferschwalbenwand besser einsehen kann und zum andern auch mehr Uferlinie von der Hütte aus zu überblicken ist. Außerdem sind diese Bereiche für die Vogelwelt offen zu halten, so dass höher aufwachsende Gehölze auch aus diesem Grund beseitigt werden sollen. Holunderbüsche blieben verschont, da sie als Nahrungsquelle besonders wertvoll sind und an anderer Stelle alte Holunderbüsche stellenweise wegen Überalterung ausfallen.

Im kommenden Jahr wird der Stauteich bei geeigneter Witterung noch einmal kurz abgelassen, um eine notwendige Wehrreparatur durchzuführen. Ein Ersatzteil konnte hierfür nicht rechtzeitig zu diesem Termin geliefert werden.

Ablassen der Stauteiche

Ab Samstag den 16. Dezember ist es wieder soweit: jedes Jahr im Winter werden der Große und der Kleine Stauteich in den Rieselfeldern abgelassen, um notwendige Pflegearbeiten an den Inseln durchzuführen.

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Ab Montag den 18. Dezember werden, sofern es das Wetter zuläßt, die Pflegearbeiten auf den Inseln im Großen Stauteich beginnen.

Damit möchten die Mitarbeiter der Biologischen Station möglichst fertig werden, bevor stärkere Fröste kommen. Viele der Wasserflächen in den Rieselfeldern frieren aufgrund des geringen Wasserstandes schnell zu und stehen dann den „Wintergästen“ als Rast- und Nahrungsraum nicht mehr zur Verfügung. Dann sind der Kleine und der Große Stauteich aber immernoch eisfrei, da sie vom warmen Klarwasser der Kläranlage gespeist werden. Die Arbeiten werden alljährlich nach den Zugzeiten der Vögel und vor dem Frost durchgeführt.

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Auch die noch verbleibenen Pfützen sind noch begehrte Nahrungsräume für verschiedene Wasservögel

Für eine Woche werden die Stauteiche daher eher unbelebt sein und die Wasservögel können noch auf eine der anderen über 90 Flächen ausweichen.

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Die abtrocknenden Schlammbereiche sind ein richtiges „Fährtenbuch“

Jahresbericht 2016

Nach einigen technischen Schwierigkeiten liegt er nun vor – der Jahresbericht 2016 für die Rieselfelder Münster.

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Von besonderem Interesse ist sicherlich der Artikel über die Entwicklung der Rastbestände von Wasser- und Watvogelarten seit 1962.  Dies kann natürlich nicht losgelöst von der Nahrungssituation der Vögel in den Rieselfeldern gesehen werden. Dies kommt in einem Artikel über die Entwicklung der Tiere im Schlamm (Makrozoobenthos) und der Kleinlebewesen im Wasser (Zooplankton) zum Ausdruck. Das Thema „Windenergieanlagen“ hat 2016 eine große Rolle in den Rieselfeldern gespielt, das spiegelt sich auch in dem Jahresbericht wider – vor allem im Vorwort und in der umfangreichen Presseschau. Daneben erfährt man noch einiges über Management-Arbeiten, die Öffentlichkeitsarbeit, die Praktikantinnen und Praktikanten, den Freundes- und Förderkreis und die jährliche Verkehrszählung in den Rieselfeldern.

Für 10,- Euro sicherlich viele Informationen über die Rieselfelder.

Stege-Erneuerung an der Station

Mit der Aufstellung einer Hinweistafel zum Europäischen Vogelschutzgebiet konnte im September das Stege-Projekt erfolgreich abgeschlossen werden.

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Neue Hinweistafel auf das Europareservat Rieselfelder Münster

Die neuen Stege an der Biologischen Station, die Dank der Fördergelder der Naturschutzstiftung der Grafschaft Bentheim und der Feinbrennerei Sasse fertiggestellt werden konnten, haben sich in diesem Sommer bereits bestens bewährt.

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Stockenten auf und am neuen Steg

Mehr Bilder zum Stegebau gibt es hier.

 

Die Straßenbauarbeiten sind beendet

Das Einbringen von Rasengittersteinen als Bankette in einem Teilbereich der Coermühle ist beendet. Es bleibt nun abzuwarten, wie sich die Autofahrer verhalten werden. Wir befürchten, dass sich die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge auf diesem Stück weiter erhöhen wird. Aus der Sicht derer, die sich hier eine Verkehrsberuhigung wünschen, war diese Maßnahme völlig unsinnig. Sie hat dem Gebiet, dass dem Naturschutz und der naturbezogenen Erholung  vorbehalten sein soll, nur geschadet.

Baustellen – Straßensperrung in den Rieselfeldern

Infolge einer Straßenbaumaßnahme an der Coermühle zwischen der Einmündung der Anlieger-Frei-Straße „Wöstebach“ und der Kreuzung „Coermühle  x  Hessenweg“ ist die Biologische Station Rieselfelder Münster bis voraussichtlich 21.07.2017 nur über den Hessenweg (Einfahrt zum Mitarbeiterparkplatz) erreichbar. Die Ferien-Veranstaltungen müssen für diesen Zeitraum an den Rieselfeldhof (hinter der Gaststäte Heidekrug, Coermühle 100) verlegt werden. Die Zufahrt zum Rieselfeldhof und zum Heidekrug ist nur aus Richtung der Innenstadt kommend über die Straßen „Zum Rieselfeld“ und „Coermühle“ möglich.
Bei Ihrer Fahrt zum Rieselfeldhof / Heidekrug sind Sie ein „Anlieger“.

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Ergänzter Umleitungsplan des Tiefbauamtes für die Sperrung der Coermühle

Betroffen sind davon die Veranstaltungen „Wassertiere und Kläranlage“ am Dienstag, 18. Juli 2017,  von 10 Uhr bis 13 Uhr sowie „Wasser- und Wiesentiere“ am Mittwoch von 10 Uhr bis 13 Uhr und „Wiesenforscher“ am Mittwoch von 15 Uhr bis 17 Uhr. Treffpunkt für diese Ferien-Veranstaltungen ist der Rieselfeldhof, hinter der Gaststätte „Heidekrug“, Coermühle 100. Weitere Informationen auch zu den Kosten und der notwendigen Anmeldung erhalten Sie bei der Biologischen Station Rieselfelder Münster unter der Rufnummer 0251 / 161760.

Die Baumaßnahme, das Einbringen von Rasengittersteinen in die Bankette,  ist nach unserer Auffassung bei dem jetzigen Diskussionsstand um die Zukunft der Widmung der Coermühle unsinnig. Das Aufstellen eines Hinweisschildes „Bankette nicht befahrbar“ würde völlig ausreichen. Damit wird Geld verbrannt, das anderweitig, zum Beispiel im Umwelt- oder Sozialbereich, eine sinnvollere Verwendung finden könnte.

Durch die Befestigung der Bankette werden Autofahrer zusehends ermutigt schneller zu fahren – es geht dann ja. Eine schlechte Bankette würde eher bremsend wirken bzw. zu einer vorsichtigeren Fahrweise motivieren.

Später Kranichzug – Winterflucht

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Kranichflugtag auch über den Rieselfeldern

Am 5. Und 6. Januar waren wieder Kranichzugtage über NRW und zwar immer noch mit den Hauptzugrichtungen Süden und Südwesten. Fast dreißig Personen meldeten am 5. Januar 818 Kraniche und am 6. Januar 175 Kraniche über verschiedenen Orten in NRW hinweg ziehend. Von den 818 Kranichen am 5. Januar wurden 215 über den Rieselfeldern gezählt und 175 Kraniche über weiteren Stadtteilen von Münster. Die Beobachtungen laufen zusammen bei Manfred Röhlen, dem „Zugkoordinator“ für NRW. Er ermittelt, als Mitglied der Arbeitsgruppe NRW des „Kranichschutz Deutschland“ die Zahlen der über NRW ziehenden Kraniche. Es sind Zahlen aus verschiedenen vogelkundlichen Foren, eigene Sichtungen und Meldungen, die bei ihm direkt eingehen. Seit über dreißig Jahren ist Manfred Röhlen auch in den Rieselfeldern unterwegs.

Sind Kraniche etwa „zugfaul“ oder warum sind sie noch nicht alle im sonnigen Süden? Die treffende Antwort auf diese Frage fand ich als Schriftzug auf der Kaffeetasse einer meiner Töchter: „Ich bin nicht faul. Das ist mein Energiesparmodus“. Denn warum sollten die Vögel viel Energie für den Zug aufwenden, wenn die milden Winter und Veränderungen in der Landnutzung, ihnen ein Auskommen im Winter in Nordwestdeutschland gewährleisten. Wenn sie nicht so weit weg fliegen, können sie eher wieder die besten, erfolgversprechenden Brutplätze besetzen. Je anpassungsfähiger eine Population ist, desto eher wird sie in der Zukunft bestehen. Am besten, man hat mehrere Strategien. So gibt es bei den Kranichen auch jede Menge „Traditionalisten“ die in Spanien überwintern. Egal wie der Winter verläuft – ein Teil der Population kommt durch und kann sich fortpflanzen.

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Übrigens sieht es beim Kiebitz ähnlich aus – aber leider scheint es ihm nicht zu helfen. Trotz der versuchten Anpassung an veränderte Umweltbedingungen, zeigen sich bei ihm immer weniger Bruterfolge. Er hat halt das Pech, dass seine Brutgebiete vor allem in Nordwestdeutschland zu suchen sind und dieser Kulturraum durch den Menschen in den letzten vier Jahrzehnten so intensiv überprägt wurde, dass dort kaum eine erfolgreiche Brut mehr möglich ist. So kommt der Situation an den Brutplätzen sicherlich eine besonders starke Bedeutung für das Überleben der Vogel-Populationen zu.

Ach ja, der Februar ist bereits ein Monat für den Heimzug der Kraniche in ihre Brutgebiete rund um die Ostsee – vielleicht auch wieder über die Rieselfelder.